34 — Rainer Hamann, MdBB

WLAN in Bussen und Bahnen?

SPD und CDU für freies WLAN in „BSAG-Transportmitteln“/“Die Technik birgt Risiken“

Von Anette Kemp, Weser Report, Sonntag, 25. Januar 2015

In Bussen und Bahnen soll ein kostenloser Internet-Zugang geboten werden. Das hatte die SPD schon vor zwei Jahren gefordert. Jetzt steht die Idee auch im Wahlprogramm der CDU. Die Verantwortlichen der BSAG und des Verkehrsressorts sehen jedoch keinen Handlungsbedarf.

„Das freie WLAN (Anm. der Redaktion: kurz für drahtloses lokales Netzwerk) in Bussen und Bahnen der BSAG wäre ein toller Service für Touristen und Bremer, die nicht so viel Geld haben, um sich teure Handy-Verträge mit großen Datenvolumen leisten zu können“, ist Claas Rohmeyer, medienpolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, sicher. SPD-Kollege Rainer Hamann, Fraktionssprecher für Datenschutz und Informationsfreiheit, ist der gleichen Ansicht: „Es wäre doch gut, wenn Touristen am Flughafen in die Linie 6 einsteigen und sich mit ihrem Smartphone gleich orientieren könnten. Wichtig ist es, dass man sich nicht erst groß anmelden muss. Einsteigen und loslegen – so sollte es funktionieren.“

Solche Forderungen lassen Bremens Datenschutzbeauftragte Dr. Imke Sommer „die Haare zu Berge stehen“. „Diese Technik birgt Risiken. Alle Daten, die über das WLAN mit dem Internet ausgetauscht werden, können von anderen Teilnehmern mitgelauscht wer- den. Es ist wichtig, Daten zu verschlüsseln. Geht das nicht, sollte auf den Service verzichtet werden.“

Bei der BSAG wird seit längerem über WLAN nachgedacht. „Wir sehen das zurzeit aber eher skeptisch. Von den technischen und datenschutzrechtlichen Problemen, die noch geprüft werden müssen, einmal abgesehen: In Bremen ist die Netzabdeckung doch so gut, dass man in Bussen und Bahnen kein WLAN braucht. Zudem haben die meisten Nutzer eine Flatrate (Pauschaltarif ). Die Kosten für die technische Neuerung wären hoch und müssten mit von den Steuerzahlern getragen werden“, erklärt BSAG-Sprecher Jens-Christian Meyer.

Ähnlich argumentiert Jens Tittmann, Sprecher des Verkehrssenators: „Grundsätzlich begrüßen wir die digitalen Möglichkeiten, der Datenschutz muss aber berücksichtigt werden. Es ist auch kaum vorstellbar, die technischen Voraussetzungen des freien WLAN in Bussen und Bahnen finanzieren zu können.“ Deshalb regt Rohmeyer ein Sponsoring an. „In Erfurt läuft ein WLAN-Modellversuch im öffentli- chen Nahverkehr. Die Kosten des ersten Jahres werden von einem Mobilfunk-Anbieter übernommen, der dafür beispielsweise auf Bus- sen und Bahnen werben darf. In Hamburg läuft ebenfalls ein Versuch – bisher sehr erfolgreich.

„Wir werden das WLAN nicht zurückdrängen können.“ Peter Siemering, Geschäftsführer der Bremer Tourismuszentrale, sieht aktuell zwar große Probleme bei der Umsetzung, aber „langfristig ist ein WLAN-Service im ÖPNV wünschenswert.“

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2 Kommentare

  1. Ein freies WLAN in Bussen und Bahnen wäre sicher in nettes Angebot, aber tatsächlich aufwendig und teuer in der Umsetzung. Im Zuge der Anschaffung knapp 80 neuer Straßenbahnen aber vielleicht trotzdem eine Überlegung wert.

    Das Augenmerk könnte man vorher auf eine einfachere Lösung setzen: Warum bietet die BSAG freies WLAN vorerst nicht einfach nur an Knotenpunkten wie der Umsteigeanlage am Hauptbahnhof, der Domsheide, Am Brill u.ä. an? Das wäre aufgrund der unkomplizierten Anbindung kostengünstig und würde viele Menschen erreichen. Im Optimalfall wäre dabei sogar eine Kooperation mit Freifunk Initiativen denkbar.

    PS: Wieso ist Ihre Webseite eigentlich nicht TLS-verschlüsselt erreichbar, Herr Hamann? ;)

  2. Ja, natürlich ist es Aufwand. Aktuell werden zB. neue Straßenbahnen beschafft. Bei einer Neuanschaffung ist es mE sinnvoll. Für eine Umrüstung vorhandenener Fahrzeuge sehe ich finanziell keiner Möglichkeit.

    Freifunk ist eine feine Sache. Ja, hier erwarte ich, dass die BSAG als Dienstleister aktiv wird. Da braucht es aber noch sanften Druck. Und in der Bürgerschaft haben wir im November eine Unterstützung von Freifunk-Initiativen durch den Senat und Gesellschaften beschlossen. Das wird. Langsam.

    PS: Ja, die Frage ist berechtigt :-)

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