Rainer Hamann

Autofahrer sollen Rot sehen

Beirat Schwachhausen fordert vier Ampeln an der Kurfürstenallee / Fragebogenaktion der SPD

Weser Kurier, Stadtteilausgabe, April 2007

Von unserem Mitarbeiter Markus Tönnishoff

SCHWACHHAUSEN. Dreimal ist zwar Bremer Recht, doch das reicht dem Beirat Schwachhausen nicht. Deshalb wollen die Stadtteilpolitiker vier Ampelanlagen an der Kurfürstenallee installieren lassen.

Einstimmig hat der Beirat Bau- und Verkehrssenator Ronald-Mike Neumeyer (CDU) aufgefordert, im Laufe des nächsten halben Jahres einen Plan vorzulegen. Außerdem votierte das Kommunalparlament für Tempo 50 auf dem gesamten Abschnitt zwischen Vahrer Kreuz und Schwachhauser Heerstraße.

Die Kurfürstenallee zerschneide den Stadtteil, heißt es in dem von SPD und Grünen eingebrachten Antrag. Gerade ältere Menschen, Behinderte und Personen mit Kinderwagen hätten Schwierigkeiten, über die Brücken zu gelangen. Und auch der Tunnel zwischen Kirchbach- und Belfortstraße werde wegen Dunkelheit und Verschmutzung kaum genutzt. Deshalb wünschen sich die Beiratsmitglieder Ampeln anstelle der Brücken in Höhe Brandenburger-, Loigny- und Metzerstraße und des Tunnels. Um keine unnötigen Staus entstehen zu lassen, sollen die Ampeln auf grüne Welle geschaltet werden.

Zuvor hatte Rainer Hamann die Ergebnisse einer SPD-Umfrage unter den Anwohnern der Straße vorgestellt. Von 720 verteilten Fragebögen seien 58 beantwortet worden. Durchschnittlich würden die Befragten die Straße 22 Mal pro Woche überqueren. Fast die Hälfte der Befragten habe angegeben, die Brücken und den Tunnel nie zu nutzen, sondern die Kurfürstenallee dort zu überqueren, wo es gerade passe. An der zentralen Stelle zur Überquerung in Höhe Nancy- und Verdunstraße stehe auch der Blitzer.

Klagen, so Hamann, habe es auch über zu schnelles Fahren in stadtauswärtiger Richtung sowie über den Lärm auf der Brücke über die Kirchbachstraße gegeben. Ebenfalls ein Dorn im Auge vieler Befragter: die große Entfernung zwischen den Bushaltestellen Kirchbachstraße und Verdun-/Metzerstraße. Nur 13 Prozent der Umfrageteilnehmer hätten sich mit der Situation an der Kurfürstenallee zufrieden gezeigt. „Es muss Ziel der kommunalen Politik sein, entlang der Kurfürstenallee und den angrenzenden Bereichen wieder erträgliche Verhältnisse herzustellen“, resümierte Hamann. Auf lange Sicht seien ebenerdige Übergänge mit Ampeln sicher auch billiger als die alle paar Jahre erforderlichen Instandsetzungsarbeiten an den Brücken.

Mit dieser Forderung rannte Hamann bei Friedrich Terveer vom Sozialverband Deutschland offenen Türen ein. Terveer: „Ich halte die Ampel-Lösung für sinnvoll. Die Rampen an den Brücken haben eine Steigung von bis zu 16 Prozent. Gerade bei Feuchtigkeit oder im Herbst, wenn Laub auf dem Boden liegt, haben alte Menschen und Behinderte Schwierigkeiten, über die Brücken zu kommen.“

Insbesondere der Tunnel bekam von Besuchern der Beiratssitzung sein „Fett weg“. „Man sollte ihn einfach mit Sand zukippen – das ist die beste Lösung“, hieß es. Eine Anwohnerin sorgt sich um die Kinder, die die Unterführung auf dem Weg zur Schule nutzen: “Ich beobachte immer wieder, wie sich die Kinder in Gruppen sammeln, um gemeinsam durch den Tunnel zu gehen. Es hat dort schon viele Überfälle gegeben. Wenn den Kinder was passiert, mache ich die Stadt dafür verantwortlich”, schimpfte sie.

Auch die baupolitische Sprecherin der SPD-Bürgerschaftsfraktion, Uta Kummer, zeigte sich unzufrieden mit der Gesamtsituation. Und Heiko Schüür vom Amt für Straßen und Verkehr kündigte an, die Brücken zukünftig ein Mal pro Woche reinigen zu lassen. Ein Sprecher des Senators für Bau und Verkehr goss jedoch ein wenig Wasser in den Wein: „Man kann die Brücken nicht einfach abreißen – dafür muss es wirtschaftlich vertretbare Gründe geben“, mahnte er.